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Handgeformte Einzelstücke.

Ich will nicht KI fragen, ich will Großmutter Weide fragen

vor 5 Stunden
2 Min. Lesezeit

Ich sitze am See, der diesige Herbstmorgen lässt mich die Jacke etwas enger um mich schlingen. Ich bin allein. Mein Blick schweift über eine Weide, deren Laub sich im Wind wiegt, zu den Wellen im Wasser, die rhythmisch ans Ufer rollen. Vögel zwitschern im Wald hinter mir, rufen vom Ufer gegenüber. Brennnesseln zu meiner linken und rechten, als wäre ich eine von ihnen. Und so unaufgeregt eröffnet es sich mir, ein Gefühl, das mich durchströmt.


Ich bin nicht allein. Ihre Anwesenheit streift mich so sanft wie der Wind. So weich und warm und erfüllend wie die ersten Sonnenstrahlen.


Ein Moment, den ich oft herbeigesehnt habe. Ein Gefühl, das ich immer wieder erhasche und weil es selten wie wertvoll ist und ohne Vorwarnung kommt, verkrampfe ich in meiner Angst, dass es gleich wieder weg ist und je stärker ich daran festhalte desto schneller entgleitet es. Heute nicht, heute lasse ich es einfach da sein und strömen. Ich lasse mich einhüllen und durchdringen. Ich lasse es in mich sickern, um ganz tief in mir ein Vertrauen zu nähren. Dass es bereits da ist, es war immer da.


Nur stand ich mir selbst im Weg. Die Dringlichkeit, die Erwartungen, die Bewertungen. Das habe ich so gelernt. In einer Welt, in der jeder Wunsch vermeintlich direkt befriedigt wird. Alles wirkt erreichbar und dringlich. Ein paar Worte an die KI, schon habe ich die Antwort.


Keine Toleranz, dass ein Wunsch erst mal im Raum steht, eine Frage erst mal nur gestellt ist. Wie erlaube ich es der Antwort sich in Stille zu entfalten?


Als ich in meinem Wunsch mich verbunden mit der Natur zu fühlen angefangen habe die Pflanzen und Tiere um mich herum zu studieren, natürlich im Rahmen eines Kurses, war ich so ungeduldig. Ich wollte es wissen, alles. Jetzt gleich.


Aber das ist nicht Beziehung, das ist Besitz. Mit den Jahren habe ich gelernt geduldiger zu sein, dem Wissen zu erlauben seinen Weg zu mir zu finden. Ruhe zuzulassen. Mich jenen Pflanzen zu öffnen, zu denen ich mich im Moment hingezogen fühle. Einfach bei Großmutter Weide zu sein. Mit ihr zu sprechen, von meinen Sorgen zu erzählen.


Manchmal antworten sie direkt, manchmal kommt die Antwort sehr viel später und auf eine unerwartete Weise.


Je weniger ich mich darauf versteife, eine Antwort zu bekommen. Je weniger ich krampfhaft in allem, was um mich herum passiert, versuche eine Botschaft zu erkennen, desto schöner ist es. Desto mehr Vertrauen entsteht, wenn sie sich mir eröffnet. Wie heute morgen am See. Ohne Vorwarnung, sanft, erfüllend, verbunden. Einfach da.

 
 
 

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